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Einen Tunnel gibt es nur im Ausnahmefall

Einen Tunnel gibt es nur im Ausnahmefall

So verständlich der Wunsch nach Autobahntunneln gerade in bewohnten Gebieten auch ist, der Bund legt strenge Richtlinien an die Anforderungen für unterirdische geführte Autobahnabschnitte.

Bild eines Autobahntunnels

 

Mit einem Tunnel verschwindet der Verkehr unter der Erde. Grundsätzlich eine tolle Sache. Doch nicht immer sind die planerischen Voraussetzungen für einen Tunnel gegeben. Da unterirdisch geführte Autobahnabschnitte aufgrund des hohen Aufwands für den Bau deutlich teurer als oberirdisch geführte Strecken sind, stellt das Bundesverkehrsministerium als Auftraggeber der Autobahnprojekte hohe Anforderungen an die Planungen der Landestraßenbaubehörden. Diese Anforderungen sind nicht willkürlich und gelten bundesweit. Jede Variante, die zur Genehmigung vorgeschlagen wird, muss sich diversen Richtlinien unterwerfen. Im anschließenden Planfeststellungsverfahren wird sichergestellt, dass alle Aspekte angemessen berücksichtigt wurden.

 

Im Vergleich zum gegenwärtigen Status führt ein Ausbau – gleich in welcher Variante – immer zu einer Verbesserung der Lärmsituation vor Ort. Bei oberirdischen Strecken wird die Einhaltung der Grenzwerte beispielsweise durch aktive Maßnahmen wie Lärmschutzwände und „Flüsterasphalt“ sowie durch passive Maßnahmen wie besser isolierende Fenster erreicht. Ein Tunnel führt zwar im Verlauf zu einer starken Reduzierung des Lärms, an seinen Portalen, also den Öffnungen, kommt es jedoch zu einem Knalleffekt, der einem Düsenjet ähnelt. Dies führt mitunter sogar zu einer höheren Lärmbelastung, die durch andere Maßnahmen ausgeglichen werden muss. Ähnliches gilt für die Grenzwerte zu Luftschadstoffbelastungen. An den Portalen sind die Belastungen durch Stickoxide und andere Schadstoffe größer als im Verlauf des Tunnels. Auch diese Grenzwerte muss eine planfestgestellte Variante einhalten. 

 

Weiterhin liegt ein Augenmerk auf Eingriffen in die Natur. Wenn eine neugeplanter Abschnitt beispielsweise durch ein Naturschutzgebiet oder eine andere schützenswerte Fläche führen würde, müsste der Eingriff so gering wie möglich gehalten werden. In diesem Fall wäre es denkbar, dass ein Abschnitt als Tunnel unter der Fläche durchgeführt wird. Auch sollen alle Verkehrsbeziehungen, die bereits bestehen, von einer Planung weiterhin berücksichtigt werden. Verschlechterungen, beispielsweise durch den Wegfall einzelner Abschnitte, widersprechen dem Bundesverkehrswegeplan. Hinzu kommt die Verkehrssicherheit: Ein Tunnel ist in der Planung für den späteren Verkehr wesentlich anspruchsvoller. Spurwechsel, Abzweigungen und weitere Besonderheiten sorgen für große Aufwände. Ideal wäre also ein Tunnel auf langer, gerader Strecke. Diese Aspekte spielen bei der Eignung des Tunnels für Gefahrguttransporte eine wichtige Rolle.

 

Wollen die Straßenplaner nun eine Vorzugsvariante bestimmen, müssen die unterschiedlichen Kriterien gewürdigt und gegeneinander abgewägt werden. Nur wenn die oberirdische Variante mindestens ein Kriterium nicht erfüllt, übernimmt der Bund die teils erheblichen Mehrkosten für den Bau einer unterirdischen Variante. Erfüllen oberirdisch geführte Varianten hingegen die genannten Kriterien, fällt die Wahl in der Regel aus Gründen der Wirtschaftlichkeit auf sie. Schließlich wird hier mit Steuergeldern gebaut. Dabei gilt es immer, den Einzelfall genau zu prüfen. So können in einer vermeintlich schwach besiedelten Gegend durchaus die Anforderungen für einen Tunnel gegeben sein, während sie in dicht besiedeltem Gebiet eben nicht erfüllt werden. Städtebauliche Gesichtspunkte spielen indes keine Rolle bei der Entscheidung für oder gegen die Finanzierung eines Tunnels. Wenn sich eine Kommune allein aus diesem Grund für eine unterirdische Streckenführung ausspricht, muss sie die Mehrkosten hierfür übernehmen oder sich um eine anderweitige Förderung bemühen.

 

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