1.200 Tonnen Stahl wurden millimetergenau bewegt – Das Einfahren des Stahlüberbaus des zweiten Teilbauwerks der Leverkusener Rheinbrücke
Philip Zintarra
In der vergangenen Woche (4.-8-.5.2026) konnte im Baufeld des zweiten Teilbauwerks der neuen Leverkusener Rheinbrücke Präzisionsarbeit im XXL-Format beobachtet werden. Spezielle selbstfahrende Schwerlasttransporter bewegten den 1.200 Tonnen schweren Stahlüberbau millimetergenau ab seine Endposition. Dabei gab es mehrere Herausforderungen zu meistern.
Das zweite Teilbauwerk der neuen Leverkusener Rheinbrücke nimmt langsam Konturen an. Dazu war in den letzten Wochen vor Ort der Stahlüberbau zusammengeschweißt worden. Die beiden Hohlkästen sind durch Querträger verbunden und werden später die Fahrbahn der Brücke tragen. Insgesamt misst das Stahlteil eine Größe von ca. 33 mal 66 Metern und bringt rund 1.200 Tonnen auf die Waage.
Herausforderung Nummer 1: Wie bewegt man diesen Koloss?
Die Lösung heißt: SPMT – Self-Propelled Modular Trailer. Mittlerweile sind die selbstfahrenden Schwerlasttransporter im modernen Brückenbau ein bewährtes Werkzeug. Immer dann wenn Stahlteile zu schwer für jeden Kran sind oder die örtlichen Gegebenheiten keinen Kraneinsatz zulassen, übernehmen SPMT die Arbeit. Jedes einzelne Rad ist unabhängig lenkbar und hydraulisch gefedert. Die Plattform bewegt – angetrieben mit einem Dieselmotor - sich dadurch in jede Richtung: vorwärts, seitwärts, diagonal. Die Steuerung erfolgt per Funkfernsteuerung.
Hier in Leverkusen kamen drei SPMT-Einheiten zum Einsatz.
Herausforderung Nummer 2: Wie bewegen sich die SPMT im unebenen Gelände?
Der Stahlüberbau hat seine Endposition auf dem Brückewiderlager und dem ersten Pfeilerpaar in Richtung Rhein und liegt über der A59. Aktuell verläuft zwischen der A59 und dem Widerlager eine Baustraße mit starker Steigung. Die SPMT können solche Unebenheiten in der Fläche trotz hydraulischem Fahrwerk nicht befahren. Da eine Abtragung der Unebenheit wegen der darunterliegenden Altablagerung Dhünnaue nicht in Frage kommt, wurde die gesamte Fläche der A59 mit einem Erdpolster aufgeschüttet und mit Stahlplatten ausgelegt. Für die Vorbereitung der Fläche und die nachträglichen Arbeiten ist die A59 drei Wochen lang gesperrt.
Herausforderung Nummer 3: Wie kann der Höhenunterschied von acht Metern überwunden werden?
Eine Besonderheit beim Einbau des Stahlüberbaus beim zweiten Teilbauwerk: Neben der Strecke von 115 Meter Länge muss gleichzeitig noch einen Höhenunterschied von acht Metern überwunden werden. Dazu wurden auf den SPMT viele Stahlkästen zu Türmen übereinandergestapelt, damit das Stahlteil höhengleich aufgenommen werden konnte. Anschließend wurde es vorgefahren, umgerüstet und eingehoben. Am Ziel wurde der Vorgang umgekehrt und die Stahlkästen Schicht für Schicht entfernt, bis der Überbau kontrolliert auf seinen Brückenlagern lag.
Die Animation verdeutlicht den komplexen, mehrtägigen Vorgang: